Autor: Daniel John

Ein Verein für gute Nachbarschaft

Bürger helfen Bürgern - das ist der Leitgedanke der Bürgergemeinschaft Vulkaneifel, die in diesem Sommer in der Verbandsgemeinde Daun als Verein gegründet werden soll. Um festzustellen, für welche Formen der Nachbarschaftshilfe besonderer Bedarf besteht, läuft derzeit eine Fragebogenaktion. Gemeinsam für das Wohl der Bewohner: Im Landkreis Vulkaneifel soll im Sommer eine Bürgergemeinschaft gegründet werden.

Daun. Gute Nachbarschaft macht das Leben leichter: Kleine Handgriffe im Haushalt, die Fahrt zum Arzt oder zum Einkaufen, stundenweise Betreuung von Kindern - diese und andere kleine Hilfstätigkeiten soll die Bürgergemeinschaft Vulkaneifel vermitteln.
Die Idee dazu entstand laut Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun, im Rahmen des Projekts "Wandel erfolgreich gestalten" (Wege - siehe Extra) und orientiert sich an der Seniorengenossenschaft in Riedlingen (Landkreis Biberach). Deren Vorsitzender Josef Martin hat bereits im März 2011 bei einer Konferenz in Meisburg seinen mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Verein vorgestellt. Eine Delegation aus der VG Daun will sich in Kürze bei einem Besuch an der Donau zu konkreten Fragen weiter informieren. Der gewählte Name "Bürgergemeinschaft" soll laut Klöckner "zum Ausdruck zu bringen, dass es nicht nur um Hilfeleistungen von und für Senioren geht, sondern auch von Jüngeren und für Familien mit Kindern oder Alleinerziehende."
Derzeit läuft in allen Orten der Verbandsgemeinde Daun eine Fragebogenaktion. Damit soll festgestellt werden, an welchen Hilfsangeboten besonderer Bedarf besteht. "Wir hoffen auf einen hohen Prozentsatz von Rückmeldungen", sagt Helmut Giesen, Sprecher des Arbeitskreises Bedarfsabfrage. Die Ergebnisse der Auswertung sollen spätestens Anfang Februar vorliegen.

Keine Konkurrenz
In Kradenbach hat bereits eine Einwohnerversammlung stattgefunden, bei der etwa 25 Haushalte vertreten waren. "Wir sind ganz zufrieden mit der Resonanz", sagt Ortsbürgermeister Helmut Pauly. Häufig höre er allerdings die Antwort "Gute Sache - aber momentan kein Bedarf". Daher hätte sich Pauly gewünscht, dass der Fragebogen zeitlich differenziert - ob Leistungen aktuell oder möglicherweise später benötigt werden. Was die Aufgaben des Vereins betrifft, betont Wege-Botschafter Gerd Becker: "Die Bürgergemeinschaft will nicht in Konkurrenz zu Dienstleistern treten." Angeboten werden sollen nur solche Dienste, "die bisher nicht angeboten werden oder bei denen der Bedarf bisher nicht vollständig durch Anbieter abgedeckt werden konnte." Mit Vertretern von sozialen und kirchlichen Einrichtungen und von Vereinen habe es bereits einvernehmliche Gespräche dazu gegeben.
Eine Besonderheit ist, dass die Vergütung für erbrachte Hilfeleistungen - in Riedlingen etwa sieben bis acht Euro pro Stunde - nicht unbedingt unmittelbar ausgezahlt wird. Es besteht vielmehr die Möglichkeit des Ansparens und Einlösens in dem Fall, dass ein Helfer selbst Hilfe benötigt. Für den Aufbau der Bürgergemeinschaft sollen keine Fördermittel in Anspruch genommen werden.

Kosten wie die Eintragung ins Vereinsregister werden laut Becker von der Verbandsgemeinde getragen, alle Aufgaben im Verein sollen ehrenamtlich wahrgenommen werden. Voraussichtlich wird allerdings ein Teil des eingenommenen Geldes - in Riedlingen sind es 1,28 Euro pro Stunde - zur Deckung der Kosten des Vereins einbehalten.
Den Vorteil eines Vereins gegenüber anderen Formen der Nachbarschaftshilfe sieht Klöckner in "einer flächendeckenden und den Bedürfnissen entsprechenden" Versorgung. Dadurch, so der Bürgermeister "bleibt nichts dem Zufall überlassen".

Extra
Ziel des Projekts "Wandel erfolgreich gestalten" (Wege) ist es, gesellschaftliche Veränderungen mit einer "ganzheitlichen Strukturentwicklung" zu begleiten und die Region als Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsstandort zu stärken. "Wir warten nicht auf den Wandel - wir gestalten selbst", sagt Werner Klöckner, Bürgermeister der VG Daun, die das Projekt trägt. Neben der Verwaltung und externen Beratern werden Kommunalpolitiker und Bürger aktiv eingebunden. Die Wege-Botschafter besuchen Vereine, Jugendtreffs oder Schulen, sprechen mit den Menschen und unterstützen die einzelnen Initiativen vor Ort. Das auf fünf Jahre angelegte Wege-Projekt ist Teil des Leader -Programms, mit dem die Europäische Union die Entwicklung in ländlichen Regionen fördert. Kontakt: Wege-Büro in der Verbandsgemeindeverwaltung Daun, Gerlinde Helten, Telefon: 06592 / 939-206, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!