Altersvorsorge der besonderen Art

Der Verein Bürger für Bürger ist im Juni gegründet worden. Sein Ziel: ältere und hilfebedürftige Menschen in der Verbandsgemeinde (VG) Daun dabei zu unterstützen, dass sie so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung leben können.

 

Daun/Gillenfeld. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die große Probleme gar nicht erst entstehen lassen: die Hilfe in Haus und Garten, die Begleitung zu Ärzten und Behörden oder zum Einkaufen. Hilfe, die vor allem immer mehr ältere Bürger - auch in der VG Daun - benötigen. Für sie gibt es künftig eine neue Anlaufstelle: den Verein Bürger für Bürger, der im Juni gegründet worden ist.
Die Idee, diese Art einer organisierten Nachbarschafts- und Familienhilfe ins Leben zu rufen, ist im Rahmen des Projekts "Wandel erfolgreich gestalten" (Wege, siehe Extra) der VG entstanden.
Eine neue Erfindung ist Bürger für Bürger nicht, die Initiatoren haben sich an der seit 1991 bestehenden Seniorengenossenschaft Riedlingen (die Stadt liegt etwa 80 Kilometer nördlich des Bodensees und hat 10 000 Einwohner) orientiert. Die Einrichtung in Baden-Württemberg hat sich als erfolgreich erwiesen, für viele Ältere ist die Seniorengenossenschaft mittlerweile fast so etwas wie die eigene Familie. Bislang mussten nur wenige Mitglieder ihr Zuhause mit einem Heimplatz tauschen. "Was wir dort gesehen haben, hat uns bestärkt, dass wir so etwas auch hier machen sollten", berichtet Gerd Becker, früherer Büroleiter der VG Daun und Vorsitzender des Vereins Bürger für Bürger. Anfang des Jahres wurde per Fragebogenaktion in allen 38 Orten der VG ermittelt, an welchen Hilfsangeboten besonderer Bedarf besteht und wer bereit wäre, sich zu engagieren. Die Bilanz: "So haben wir 700 Adressen von Leuten bekommen, die gesagt haben, wir wollen helfen oder brauchen Hilfe. Diese Sammlung ist der Grundstock für unsere zukünftige Arbeit", sagt Becker.
Er stellt klar, dass "der Verein aber nicht den Pflegedienst ersetzen wird. Wir bieten nur das an, was durch professionelle Dienste gar nicht oder nicht in ausreichendem Maße abgedeckt werden kann." Das bestätigt auch Sascha Singh, stellvertretender Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Vulkaneifel. Er begrüßt die Erweiterung des ehrenamtlichen Angebots und stellt klar: "Das Angebot des Vereins ist keine Konkurrenz für unsere Sozialstation."
Ziel von Bürger für Bürger ist es laut Becker, älteren Menschen möglichst lange die Möglichkeit zu geben, in den eigenen vier Wänden zu wohnen, selbst wenn Pflege notwendig ist. Hilfe solle möglichst ortsnah organisiert werden. "Es soll nicht so sein, dass jemand von Hinterweiler nach Mückeln fährt, um einen älteren Bürger zum Arzt zu begleiten", sagt der Vorsitzende.

Das Prinzip
Zu den Tätigkeiten der freiwilligen Helfer des Vereins gehören beispielsweise kleinere Aufgaben im Haushalt erledigen, einkaufen gehen oder Begleitung bei Arztbesuchen. Für jede geleistete Stunde erhalten die Helfer pro Stunde 6,80 Euro, die sie sich ausbezahlen lassen können, und ihre Fahrtkosten werden erstattet. Sie können sich die geleisteten Arbeitsstunden aber auch gutschreiben lassen und diese einlösen, wenn sie im Alter selbst auf Hilfe angewiesen sind. Geschäftsgrundlage ist, dass sowohl die, die Hilfe in Anspruch nehmen, als auch die, die helfen, Mitglied des Vereins sind. Vor allem auch aus versicherungstechnischen Gründen, wie Gerd Becker erläutert. Die Mitgliedschaft kostet für Einzelpersonen 24 Euro pro Jahr, für Paare 36, für Gemeinden, Firmen und Institutionen 60.
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Finanzierung des Vereins
Der Verein berechnet acht Euro pro Stunde. 6,80 Euro bekommt der Helfer, der Rest behält der Verein zur Deckung seiner Kosten. Und die sollen möglichst niedrig bleiben: "Es wird keine hauptamtliche Kraft angestellt, wir Ehrenamtliche werden die Verwaltung regeln, jeder übernimmt einen Zuständigkeitsbereich." Der Verein bekommt ein Büro in Daun, die Arbeit dort soll laut Becker voraussichtlich Ende August anlaufen. Dorthin können sich Hilfesuchende melden, Ansprechparter sind aber auch die Seniorenbeauftragten in den Orten.

Extra
Die Verbandsgemeinde Daun hat 2010 das sogenannte Wege-Projekt gestartet. Der VG entstehen Kosten von etwa 235 000 Euro. Die Europäische Union bezahlt hiervon 55 Prozent, den Rest übernimmt die VG. Der Förderzeitraum erstreckt sich bis 2015. Ziel ist es, die Probleme des demografischen Wandels zu erkennen und so weit wie möglich zu lösen. Das Institut für Regionalmanagement aus Gießen hat für jede Ortsgemeinde ein demografisches Profil erstellt. Die Leitbegriffe von Wege lauten "weniger, älter, bunter" sowie "bleiben, zurückkommen, herkommen". Die Wege-Botschafter Marlene Wierz-Herrig und Gerd Becker betreuen die zur VG gehörenden 38 Orte. Dort helfen sie zu ermitteln, welche Probleme es gibt, und schätzen die Umsetzungs-chancen von möglichen Lösungen ein. sts Ansprechpartner im Wege-Büro in der VG-Verwaltung in Daun ist Volker Bernardy, Telefon 06592/939.207, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!