Bürger helfen Bürgern - so lautet das einfache Konzept eines Vereins in der VG Daun, der Nachbarschaftshilfe für Senioren organisiert.

Inzwischen engagieren sich 150 Menschen für die Idee. Dafür ist der Verein sogar für den Zukunftspreis der Volksbank Rhein AhrEifel nominiert.

Bild Rasenmäher

Daun. Wenn Albert Pauly mit seinem Rasentraktor unterwegs ist, beschränkt er sich nur selten auf die Wiese vor seinem eigenen Haus. Oft mäht er zum Beispiel das Gras auf dem Gemeindeland gegenüber gleich mit. "So ein Rasentraktor ist schon eine größere Anschaffung", sagt der 68-Jährige. "Das muss sich ja lohnen." Gemeinsam mit einem Nachbarn hat er sich den kleinen grünen Traktor aus französischer Produktion vor ein paar Jahren zugelegt. Per Knopfdruck springt der Benzinmotor an, es gibt einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang, per Wippschalter wird das Mähwerk zugeschaltet.


13 PS hat der Mäher - und wenn Albert Pauly ordentlich aufs Gas drückt, ist er flott unterwegs: In ein, zwei Stunden ist der Rasen auf dem eigenen Grund und Boden in Kradenbach dann akkurat gekürzt.

Einkäufe und Behördengänge
Seit dem Herbst vergangenen Jahres ist Pauly mit seinem Rasenmäher auch für den Verein Bürger für Bürger unterwegs. Drei Mal hat er dafür schon bei einer älteren Dame in Dreis-Brück die Wiese gemäht. Ein typischer Einsatz der Bürger für Bürger. Denn sie haben es sich zum Ziel gesetzt, schnell und unbürokratisch ältere Mitbürger in der Verbandsgemeinde Daun zu unterstützen. Beim Einkaufen, beim Arztbesuch, bei Behördengängen, bei kleinen Arbeiten in der Wohnung - oder eben beim Rasenmähen.
Im Juni vergangenen Jahres wurde der Verein gegründet. Er ging aus dem Wege-Prozess hervor, einem Modellprojekt der Verbandsgemeinde Daun in das von der EU unterstützt wird. Durch das Wege-Projekt sollen Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels gefunden werden - insbesondere im Hinblick auf die Struktur in ländlichen Regionen.

Ziel: 500 Einsätze im Jahr
"Die Zahl der über 65-Jährigen steigt in den nächsten Jahren drastisch an", erklärt Bürgermeister Werner Klöckner. "Mit dem Verein wollen wir erreichen, dass die Hochbetagten so lange wie möglich zu Hause bleiben können." Vor allem die Generation 50 plus wollen die Bürger für Bürger als Helfer gewinnen. Die, die in nicht allzu langer Zeit selbst auf Hilfe angewiesen sein werden. Das schließt aber nicht aus, dass nicht auch Jüngere einspringen: "Jeder kann mitmachen", sagt Vereinsvorsitzender Gerd Becker.
Für die Dienstleistungen ihrer Mitbürger zahlen die Vereinsmitglieder acht Euro pro Stunde. Davon können die Helfer sich einen Anteil auszahlen lassen (der Rest fließt zur Deckung der Kosten in die Vereinskasse) oder sie sparen ihre Arbeitsstunden auf einem separaten Guthabenkonto (siehe Extra).
"Wenn sie irgendwann einmal selber Hilfe benötigen, können sie die mit ihren selbst geleisteten Arbeitsstunden bezahlen", erklärt Becker das genossenschaftliche Prinzip.
Für dieses innovative Konzept sorgt der Verein schon jetzt für Gesprächsstoff über die Kreisgrenzen hinaus. Becker ist bis nach Dahlem (Nordrhein-Westfalen) und Laubach (Hessen) gereist, um die Idee vorzustellen. Und die ist jetzt sogar für den Zukunftspreis Heimat der Volksbank RheinAhrEifel nominiert.
150 Mitglieder gibt es schon. 50 davon bieten Hilfe an, 50 nehmen sie in Anspruch. Der Rest sind Förderer, Ortsgemeinden und Firmen.
Im September des vergangenen Jahres haben die Vereinsmitglieder mit den Hilfseinsätzen losgelegt. 34-mal sind sie bis Dezember ausgerückt. "In diesem Jahr wird das wesentlich mehr werden", hofft Becker. Er rechnet mit 400 bis 500 Einsätzen in 2013.
Aber: "Die Idee muss sich erst noch rumsprechen."

Meinung:

Engagiert euch!
Noch gibt es auf den Dörfern so etwas wie Nachbarschafts- und Familienhilfe. Doch wie sieht es in 20 Jahren aus? Der demografische Wandel ist Fakt: In Zukunft werden die Menschen viel älter werden, gleichzeitig gibt es immer weniger Jüngere. Um den vielen Alten dann noch ein komfortables Leben zu Hause und auf dem Land zu ermöglichen, müssen schon jetzt die Weichen gestellt werden. Und zwar nicht nur von der großen Politik - und das haben die Bürger für Bürger erkannt - sondern bei jedem vor der Haustür. Jetzt kommt es auf die Menschen in der VG Daun an. Engagiert euch! Denn nur wenn viele mitmachen, kann die gute Idee gedeihen - und einen echten Mehrwert für die Lebensqualität der Menschen in der Vulkaneifel bringen. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Extra:

Jeder Bürger kann Mitglied im Verein Bürger helfen Bürgern werden. Jahresbeitrag: 24 Euro. Die Hilfe-Empfänger müssen über 75 Jahre alt oder pflegebedürftig sein. Die Empfänger bezahlen pro geleistete Arbeitsstunde acht Euro. Die Helfer bekommen davon eine Aufwandsentschädigung von 6,50 Euro pro Stunde - oder sie "sparen" ihre Arbeitsstunden auf einem Guthabenkonto an. Wenn sie später selbst Hilfe benötigen, können sie die damit begleichen.

Info-Veranstaltungen: Freitag, 15. März, 19 Uhr, Bürgerhaus Ellscheid; Dienstag, 26. März, 19 Uhr, Haus des Gastes Deudesfeld; Mittwoch, 3. April, 15 Uhr, ehemalige Gaststätte in Steineberg. Info: Vorsitzender Gerd Becker, Telefon 06592/9263198, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; www.buerger-daun.de

Auto: Tobias Senzig, Trierischer Volksfreund

 

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Bürger helfen Bürgern - so lautet das einfache Konzept eines Vereins in der VG Daun, der Nachbarschaftshilfe für Senioren organisiert. Inzwischen engagieren sich 150 Menschen für die Idee. Dafür ist der Verein sogar für den Zukunftspreis der Volksbank Rhein AhrEifel nominiert.

Daun. Wenn Albert Pauly mit seinem Rasentraktor unterwegs ist, beschränkt er sich nur selten auf die Wiese vor seinem eigenen Haus. Oft mäht er zum Beispiel das Gras auf dem Gemeindeland gegenüber gleich mit. "So ein Rasentraktor ist schon eine größere Anschaffung", sagt der 68-Jährige. "Das muss sich ja lohnen." Gemeinsam mit einem Nachbarn hat er sich den kleinen grünen Traktor aus französischer Produktion vor ein paar Jahren zugelegt. Per Knopfdruck springt der Benzinmotor an, es gibt einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang, per Wippschalter wird das Mähwerk zugeschaltet.
13 PS hat der Mäher - und wenn Albert Pauly ordentlich aufs Gas drückt, ist er flott unterwegs: In ein, zwei Stunden ist der Rasen auf dem eigenen Grund und Boden in Kradenbach dann akkurat gekürzt.

Einkäufe und Behördengänge

Seit dem Herbst vergangenen Jahres ist Pauly mit seinem Rasenmäher auch für den Verein Bürger für Bürger unterwegs. Drei Mal hat er dafür schon bei einer älteren Dame in Dreis-Brück die Wiese gemäht. Ein typischer Einsatz der Bürger für Bürger. Denn sie haben es sich zum Ziel gesetzt, schnell und unbürokratisch ältere Mitbürger in der Verbandsgemeinde Daun zu unterstützen. Beim Einkaufen, beim Arztbesuch, bei Behördengängen, bei kleinen Arbeiten in der Wohnung - oder eben beim Rasenmähen.
Im Juni vergangenen Jahres wurde der Verein gegründet. Er ging aus dem Wege-Prozess hervor, einem Modellprojekt der Verbandsgemeinde Daun in das von der EU unterstützt wird. Durch das Wege-Projekt sollen Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels gefunden werden - insbesondere im Hinblick auf die Struktur in ländlichen Regionen.

Ziel: 500 Einsätze im Jahr

"Die Zahl der über 65-Jährigen steigt in den nächsten Jahren drastisch an", erklärt Bürgermeister Werner Klöckner. "Mit dem Verein wollen wir erreichen, dass die Hochbetagten so lange wie möglich zu Hause bleiben können." Vor allem die Generation 50 plus wollen die Bürger für Bürger als Helfer gewinnen. Die, die in nicht allzu langer Zeit selbst auf Hilfe angewiesen sein werden. Das schließt aber nicht aus, dass nicht auch Jüngere einspringen: "Jeder kann mitmachen", sagt Vereinsvorsitzender Gerd Becker.
Für die Dienstleistungen ihrer Mitbürger zahlen die Vereinsmitglieder acht Euro pro Stunde. Davon können die Helfer sich einen Anteil auszahlen lassen (der Rest fließt zur Deckung der Kosten in die Vereinskasse) oder sie sparen ihre Arbeitsstunden auf einem separaten Guthabenkonto (siehe Extra).
"Wenn sie irgendwann einmal selber Hilfe benötigen, können sie die mit ihren selbst geleisteten Arbeitsstunden bezahlen", erklärt Becker das genossenschaftliche Prinzip.
Für dieses innovative Konzept sorgt der Verein schon jetzt für Gesprächsstoff über die Kreisgrenzen hinaus. Becker ist bis nach Dahlem (Nordrhein-Westfalen) und Laubach (Hessen) gereist, um die Idee vorzustellen. Und die ist jetzt sogar für den Zukunftspreis Heimat der Volksbank RheinAhrEifel nominiert.
150 Mitglieder gibt es schon. 50 davon bieten Hilfe an, 50 nehmen sie in Anspruch. Der Rest sind Förderer, Ortsgemeinden und Firmen.
Im September des vergangenen Jahres haben die Vereinsmitglieder mit den Hilfseinsätzen losgelegt. 34-mal sind sie bis Dezember ausgerückt. "In diesem Jahr wird das wesentlich mehr werden", hofft Becker. Er rechnet mit 400 bis 500 Einsätzen in 2013.
Aber: "Die Idee muss sich erst noch rumsprechen."

Meinung
Engagiert euch!

Noch gibt es auf den Dörfern so etwas wie Nachbarschafts- und Familienhilfe. Doch wie sieht es in 20 Jahren aus? Der demografische Wandel ist Fakt: In Zukunft werden die Menschen viel älter werden, gleichzeitig gibt es immer weniger Jüngere. Um den vielen Alten dann noch ein komfortables Leben zu Hause und auf dem Land zu ermöglichen, müssen schon jetzt die Weichen gestellt werden. Und zwar nicht nur von der großen Politik - und das haben die Bürger für Bürger erkannt - sondern bei jedem vor der Haustür. Jetzt kommt es auf die Menschen in der VG Daun an. Engagiert euch! Denn nur wenn viele mitmachen, kann die gute Idee gedeihen - und einen echten Mehrwert für die Lebensqualität der Menschen in der Vulkaneifel bringen. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Extra

Jeder Bürger kann Mitglied im Verein Bürger helfen Bürgern werden. Jahresbeitrag: 24 Euro. Die Hilfe-Empfänger müssen über 75 Jahre alt oder pflegebedürftig sein. Die Empfänger bezahlen pro geleistete Arbeitsstunde acht Euro. Die Helfer bekommen davon eine Aufwandsentschädigung von 6,50 Euro pro Stunde - oder sie "sparen" ihre Arbeitsstunden auf einem Guthabenkonto an. Wenn sie später selbst Hilfe benötigen, können sie die damit begleichen.

Info-Veranstaltungen: Freitag, 15. März, 19 Uhr, Bürgerhaus Ellscheid; Dienstag, 26. März, 19 Uhr, Haus des Gastes Deudesfeld; Mittwoch, 3. April, 15 Uhr, ehemalige Gaststätte in Steineberg. Info: Vorsitzender Gerd Becker, Telefon 06592/9263198, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; www.buerger-daun.de sen

 

 

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